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Solid Sven / 08.06.2020

Basis Bildentwicklung

Bildentwicklung unabhängig von Kameraprofilen der Hersteller

Bildentwicklung

Vom flachen Rawfile zum fertigen Bild

Spricht man mit Amateurfotografen und surft man durch die Gruppen in den Social Media stellt man fest, dass das Thema der Bildentwicklung sehr stiefmütterlich behandelt wird. Hierbei meine ich nicht die Bildbearbeitung, sondern ausdrücklich die reine Basis-Bildentwicklung, an welche sich eine spätere Bearbeitung anschliessen kann.

Alles beginnt mit dem Laden einer Datei im Raw Format in einen Rawkonverter.
Hier beginnt bereits das Dilemma, denn der Rawkonverter verlangt die Auswahl eines Kameraprofils. In diesen Kameraprofilen, welche von Softwareanbieter und den Kameraherstellern angeboten werden, sind stets eine Kontrast(Tonwert) Kurve und HSL (Hue, Saturation, Luminance) "eingebaut".
Je nach Auswahl ändert sich das Erscheinungsbild völlig. Farben und Kontraste des Profils bilden hier den Startpunkt. Er ist also immer anders, je nachdem welches Kameramodell und welches Profil vorliegt. Auch Profile mit dem Namen "neutral", oder "flat" sind bei genauem Hinsehen weder das eine, noch das andere.

Wie will man auf diese Weise konsistent arbeiten und einen festen Workflow etablieren ? Das ist gar nicht so einfach, einstweilen sogar unmöglich.

Um zu erreichen, dass ich beim Entwickeln meiner Bilder einen immer fast-gleichen Startpunkt habe, arbeite ich mit einem Custom Standardprofil, welches die reinen Sensor- HSL Informationen beinhaltet. Die Kontrastkurve habe ich geglättet, der Tonwertverlauf ist nun linear.  Besonders bei Motiven mit hoher Bilddynamik ist dies von Vorteil (siehe unten).

Im Rawkonverter stelle ich das Bild komplett flach ein, also möglichst flache Farben, schwarz- und Weisspunkt nicht auf Kante gesetzt, die Luminanz der Farbkanäle bricht nicht aus, im Histogramm ist links und rechts noch Raum bis zur 0, bzw. 255.  Lediglich das Objektivprofil wird gesetzt, ebenso Bild ausrichten und maskieren (nicht schärfen) der Details, Weissabgleich (der vor Ort gemessen wurde), nicht vergessen. Die Ähnlichkeit zu Flog, wie es beim Videodreh verwendet wird,  ist nicht zu übersehen.

Die eigentliche Ausentwicklung findet in Photoshop statt.
Hier verfüge ich über eine Reihe von selbst geschriebenen LUT`s, die ggf einen neuen Startpunkt setzen können. Diese sind für gewisse, immer wiederkehrende Motive hilfreich, beispielsweise Landschaftsmotive, die die üblichen Farben enthalten.  Zumeist beginne ich jedoch von hier, mit den Werzeugen Curves/Tones und Farbton/Sättigung die einzelnen Bildbereiche zunächst in die entsprechenden Werte zu bewegen. Ist das Bild naturgetreu ausentwickelt, führe ich ggf eine Farbkorrektur durch. Hierbei ist es wichtig, dass Bereich, die im Bild weiss sein müssen, keinen Farbstich vorweisen. Tip: Dies ist mit einer weissen Farbfläche im Modus "Dividieren" möglich. Die Schwarz- und Weisspunkt Setzung  kann entweder bequem durch eine Rückkehr in Camera Raw erfolgen, oder in der Tonwertkurve.

Nun habe ich ein realitätsgetreues Bild (siehe unten), welches ich anhand des Workflows immer wieder reproduzieren kann.
Dabei bin ich davon unabhängig, mit welcher Kamera es gemacht wurde. Von diesem Punkt aus kann ich nun entscheiden, ob das Bild fertig ist, oder ob ich in die Bildbearbeitung übergehe. Hierbei kann ich mit den oben genannten Werkzeugen Kontraste und Farben beliebig ändern, auch verfremden, Vignetten händisch erzeugen, Farbleuchten mit den RGB-Kanälen erzeugen. Dies ist jedoch ein anderes Thema.

Beim hier gezeigten Beispielbild, habe ich im Endresultat zur Veranschaulichung die letzten Schritte leicht "überzogen". Dies zur Verdeutlichung, dass in einem flachen Rawfile alle benötigten Informationen vorhanden sind.

Endresultat
Endresultat

Resultat nach Bearbeitung

Vom flachen Raw zum fertigen Bild

Die Regler ein wenig überzogen ^^